Checkliste ETF Auswahl: Welcher ETF passt zu mir?

Checkliste ETF Auswahl: Welcher ETF passt zu mir?

Nicht nur Anfänger fragen sich welcher ETF passt zu mir und wie lege ich in ETF an? Mittlerweile gibt es ein sehr großes Angebot an Indexfonds für Aktien. Mit dieser Checkliste ETF Auswahl möchte ich dir dabei helfen erfolgreich zu investieren und dein Vermögensaufbau mit ETF in Aktien zu starten.

Inhalt: Welcher ETF passt zu mir?

  1. Portfolio Strategie und Basisindex
  2. Vermögensaufbau oder Dividenden
  3. ETF Sparplan oder Einmalanlage
  4. Anzahl der Positionen
  5. Fondsvolumen
  6. Wie lange gibt es den ETF?
  7. Wertentwicklung
  8. Was ist wirklich enthalten?
  9. ETF Überschneidungen prüfen
  10. Kosten
  11. Factsheet und KIID des Anbieters
  12. Langfristig Denken

1. Portfolio Strategie und Basisindex

Die wichtigste Frage direkt am Anfang ist, welche Strategie und Ziele verfolgst du mit der Geldanlage in ETF? Abhängig davon ergeben sich in den nächsten Schritten der Checkliste zur ETF Auswahl teilweise unterschiedliche Kriterien.

Insbesondere ist entscheidend welchen Index der ETF abbilden soll?

Welcher ETF passt zu mir? Wenn du mit einem ETF Sparplan und kleiner Sparrate von 25 EUR im Monat anfangen möchtest, empfiehlt es sich zum Beispiel zunächst auf einen einzigen sehr breit aufgestellten ETF zu fokussieren. Passend wäre hier ein ETF auf Basis des MSCI All Country World Index. Damit kannst du in 50 Ländern weltweit investieren.

Ein sehr populärer Ansatz ist es 70% in Industriestaaten und 30% in Schwellenländer zu investieren. Hierzu genügt eine einfache Kombination aus zwei ETF: MSCI World ETF + MSCI Emerging Markets ETF.

Wenn du einen speziellen Anlagefokus verfolgst, kannst du weitere ETF kombinieren. Beispielsweise für ein nachhaltiger ausgerichtetes Portfolio bietet sich die Ergänzung um themenspezifische Fonds wie Umwelttechnologie ETF an.

Mehr dazu hier: ETF Portfolio erstellen

Wichtig: Je spezieller der ETF ist, desto höher ist das Risiko für deine Geldanlage. Bitte beachte, dass jeder Anleger individuell ist. Du musst für dich den richtigen Ansatz finden. Dieser Blog ist keine Anlageberatung, sondern bietet generelle Informationen, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst. Denn du bist selbst für dein Geld verantwortlich.

Sobald du den Basisindex für deinen ETF definiert hast, geht es zum nächsten Punkt der Checkliste ETF Auswahl.

2. Vermögensaufbau oder Dividenden

Jetzt solltest du für dich beantworten, ob du einen langfristigen Vermögensaufbau (Wachstum) verfolgst oder ob dir regelmäßige Auszahlungen (Dividenden) wichtig sind. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Art der Ertragsverwendung des ETFs. Die im Fonds enthaltenen Aktien generieren Erträge in Form von Dividenden. Diese werden je nach Ertragsverwendung des ETFs an dich ausgezahlt (ausschüttend) oder automatisch wieder reinvestiert (thesaurierend).

Welcher ETF passt zu mir? Für den Vermögensaufbau solltest du thesaurierende ETF wählen, um bestmöglich vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Dann musst du dich nicht selbst darum kümmern die Dividenden wieder zu investieren. Für ein regelmäßiges Einkommen aus Dividenden sind entsprechend ausschüttende ETF die bessere Wahl.

Hier gibt es kein richtig oder falsch und du kannst auch beides zum Ziel haben. Natürlich ist es ebenso möglich die Ausschüttungen ggf. selbst wieder manuell anzulegen.

Ob ein ETF thesaurierend oder ausschüttend ist kannst du ganz schnell am Namen erkennen. Die Abkürzungen C oder ACC am Ende stehen für thesaurierende ETF (accumulating). Die Abkürzungen D, DIS oder DIST stehen für ausschüttende ETF (distributing).

3. ETF Sparplan oder Einmalanlage

Dieser Punkt ist entscheidend, wenn du regelmäßig in einen ETF Sparplan investieren möchtest. Dann solltest du darauf achten, dass der ETF bei deinem Broker sparplanfähig ist. Einmal eingerichtet läuft mit einem Sparplan automatisiert Geld von deinem Konto in dein Depot, ohne dass du dich weiter darum kümmern musst.

Wenn das nicht möglich ist, kannst du aber auch manuell jeden Monat den ETF kaufen und musst nicht gleich deinen Broker wechseln.

Mehr zur Broker Auswahl hier: Welcher Broker ist der Beste für Anfänger?

4. Anzahl der Positionen

Jetzt steigen wir spezifischer in die Welt der ETFs ein. Abhängig von deiner ETF Portfolio Strategie, ist es wichtig zu schauen, wie viele einzelne Positionen im ETF abgebildet werden.

Ein breit diversifizierter ETF als Basis sollte mindestens 400 Positionen oder mehr enthalten. Für mich stellt hier der MSCI World SRI Index mit 385 Werten die Untergrenze dar. Der MSCI World ohne Ausschlusskriterien bildet schon 1.600 Aktien ab. Der MSCI ACWI (All Country World Index) enthält derzeit 2.990 Aktien.

Im Allgemeinen ist hier zudem wichtig, dass der ETF geografisch und über diverse Branchen hinweg breit aufgestellt ist und nicht zu stark auf bestimmte Sektoren oder Länder fokussiert.

Ein themenspezifischer ETF wie der iShares Global Clean Energy sollte zumindest 30 Positionen umfassen, damit das Einzeltitelrisiko verschwindet.

5. Fondsvolumen

Überprüfe als nächstes das Fondsvolumen des jeweiligen ETFs. Das Volumen ist ein Indikator für die Wirtschaftlichkeit eines Fonds. Bei zu kleinem Volumen steigt das Risiko, dass die Fondsgesellschaft den ETF liquidiert. Generell wird davon ausgegangen, dass bei einem Fondsvolumen über 100 Mio. EUR die Wirtschaftlichkeit in der Regel gegeben ist. Wenn du noch etwas sicherer sein möchtest, kannst du auf ein Fondsvolumen über 500 Mio. EUR schauen.

6. Wie lange gibt es den ETF?

Finde als nächstes heraus, wann der ETF aufgelegt wurde. Ein Fonds der schon lange existiert und entsprechend großes Volumen hat, wird sehr Wahrscheinlich auch lange weiter laufen. Dass ein bewährter Indexfonds vom Markt genommen wird ist sehr unwahrscheinlich.

Ein weiterer Vorteil ist, dass du bei ETF, die schon ein paar Jahre existieren, die bisherige Wertentwicklung anschauen und vergleichen kannst. Ich persönlich bevorzuge daher ETF, die mindestens älter als 1 Jahr sind.

Natürlich kannst du bei neu angelegten ETF auch darauf spekulieren, dass noch mehr Investoren ihr Geld anlegen und das Volumen weiter wächst. Allerdings ist es wie beschrieben etwas riskanter, ob der ETF langfristig existieren wird. Zudem ist bei einem neuen ETF schwierig die bisherige Performance zu bewerten.

Bei einem etablierten Fonds hingegen, der über 3 oder 5 Jahre alt ist, kannst du entsprechend noch besser die Wertentwicklung einschätzen.

7. Wertentwicklung

Jetzt vergleichst du die Wertentwicklung als nächsten Schritt bei der ETF Auswahl. In der Performance sind verschiedene Einflussfaktoren wie Kosten schon enthalten und sie zeigt dir die Leistung des Fonds.

Du kannst dir die Wertentwicklung über bestimmte Zeiträume wie 1 Jahr oder 5 Jahre betrachten und mit einem Referenzindex oder Kategorie-Durchschnitt vergleichen. Neben der Wertentwicklung zu einem Stichtag ist für den Vergleich von ETFs auch die Wertentwicklung im Zeitverlauf entscheidend. Dazu kannst du ein Tool für den Chartvergleich nutzen.

Meistens nutze ich den MSCI World als Referenzindex, da er einer der größten und am breitesten aufgestellten Indizes überhaupt ist. Insbesondere seine breite Mischung hat in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt, dass der MSCI World Index langfristig stets an Wert gewonnen hat. Wer mindestens über 15 Jahre in diesen Index investiert hatte, hat bisher immer Gewinn erzielt.

Betrachte verschiedene Zeiträume sowie den Chartverlauf im Vergleich. Ein spezieller Nischen-ETF kann kurzfristig eine deutlich höhere Performance haben. Das heißt dann aber nicht, dass diese Entwicklung langfristig so weiter geht. Zudem steigt mit einer geringeren Diversifizierung das Risiko.

Das Ziel der meisten Anleger beim Vermögensaufbau mit ETF ist es nicht die maximale Rendite zu erzielen, sondern vielmehr bei überschaubarem Zeitaufwand eine langfristig gute Rendite. Der MSCI World liegt beispielsweise bei einer mittleren Rendite von ca. 8 % pro Jahr.

Da bei der Ermittlung der ETF Wertentwicklung die Finanzportale teilweise unterschiedliche Wege gehen, solltest du nach Möglichkeit den Vergleich immer innerhalb einer Plattform machen. Das liegt daran, dass eine unterschiedliche Behandlung von Ausschüttungen für unterschiedliche Ergebnisse in den Performance-Daten sorgt. Diese können für die Wertentwicklung entweder als Reinvestition oder Addition behandelt werden und in manchen Fällen auch ganz außer acht gelassen werden.

8. Was ist wirklich enthalten?

Prüfe jetzt den Anteil der größten Aktien im ETF. Grundsätzlich sollten im ausgewählten ETF die Top 10 Aktien nicht mehr als 30 % ausmachen. Oder anders herum betrachtet sollten die übrigen Positionen zumindest größer als 70 % sein. Insbesondere bei einem Nischen-ETF mit wenigen Aktien kann es zu diesem Fall kommen. Dann ist es besonders wichtig, dass die Positionen gleich verteilt sind und nicht wenige Werte ein zu großes Gewicht haben.

Solltest du einen speziellen Branchen-ETF oder einen nachhaltigen ETF ausgewählt haben, dann mache einen kurzen Check, ob die Top Positionen auch den Selektionskriterien entsprechen. Den Aspekt der Nachhaltigkeit kannst du über die Datenbank von www.faire-fonds.info überprüfen.

Mehr zur ESG Recherche hier: Wie kann man nachhaltig Geld anlegen?

Kontrolliere im Zweifel auch nochmals genau die Regeln des zugrunde liegenden Index.

Eine Frage die auch immer wieder gestellt wird ist, wie der ETF abgebildet werden soll. Das heißt, ob die im Index enthaltenen Aktien auch tatsächlich gekauft werden (physisch replizierend) oder ob diese durch Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps, nachgebildet werden (synthetisch replizierend). Dies nennt man die Replikationsmethode. Laut Bundesbank und BaFin sind synthetisch replizierende ETF unterm Strich “für den Anleger auf lange Sicht nicht mit größeren Risiken verbunden.” (ab Min. 23.44) Ein Vorteil sind allerdings geringere Kosten.

9. ETF Überschneidungen prüfen

Vor allem wenn du in mehrere ETF investierst, ist es wichtig ETF Überschneidungen zu prüfen. Möglicherweise hast du zum Zweck der Streuung verschiedene Fonds ausgewählt, aber du investierst trotzdem, ohne es zu merken, immer wieder in die gleichen Unternehmensaktien. Das würde man Scheindiversifikation nennen.

Ein Beispiel dafür wäre die Kombination aus ETF, die den Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 abbilden. Insbesondere der S&P 500 und Nasdaq 100 werden in großen Teilen von den gleichen Aktien angeführt. Hier nehmen die großen amerikanischen Tech-Giganten aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung eine führende Stellung ein. Apple und Microsoft belegen sogar bei allen drei Indizes die Top Positionen.

Wenn du verschiedene ETF miteinander kombinieren möchtest, solltest du genau anschauen aus welchen Unternehmen sich der jeweilige Index zusammensetzt sowie welche Sektoren und Länder besonders stark vertreten sind.

Am einfachsten geht das mit dem Tool X-Ray von Morningstar. Dazu musst du dich allerdings auf der Plattform registrieren und dort dein Portfolio anlegen. Dann kannst du dir die Einzelpositionen-Details anzeigen lassen. Das früher öffentlich zugängliche Tool scheint jetzt nur noch im Login-Bereich zu funktionieren.

ETF Überschneidungen prüfen im X-Ray Tool von Morningstar

10. Kosten

Einen Punkt den ich bewusst nicht direkt als erstes betrachte, sind die Kosten des ETFs, da fast alle ETF kostengünstig sind. Die Gesamtkostenquote (TER) bzw. Laufende Kosten liegen in der Regel zwischen 0,1 % und 0,6 % abhängig davon wie spezialisiert der Indexfonds ist.

Ein breiter ETF auf den MSCI World mit hohem Volumen hat meistens deutlich geringere laufende Kosten als ein speziell thematisch fokussierter ETF. Trotzdem liegen die Kosten für ETF weit unter den Kosten von aktiv verwalteten Fonds. Dort sind es häufig zwischen 1 % und 2 % plus einem Ausgabeaufschlag beim Kauf.

Gerade wenn du dir verschiedene ETF Anbieter anschaust, lohnt sich ein Vergleich der Gesamtkostenquote besonders für langfristig orientierte Sparer. Hast du zwei gleiche ETF in der Auswahl, dann würde ich natürlich den günstigeren ETF wählen.

11. Factsheet und KIID des Anbieters

Wenn du jetzt den für dich passenden ETF gefunden hast, dann kontrolliere die wichtigsten Angaben nochmals im Factsheet und KIID des Anbieters. Obwohl die meisten Finanzportale eine gute Datenbasis bieten, zählen die offiziellen Angaben des ETF Anbieters.

Übersetzt bedeutet Factsheet die “Faktenliste” und KIID steht für “Key Investor Information Document” auf Deutsch “Wesentliche Anlegerinformationen”.

Alle wichtigen Informationen über den ETF Fonds sind dort auf ein bis zwei Seiten komprimiert zusammengefasst. Besonders relevant sind die bis jetzt genannten Punkte der Checkliste ETF Auswahl. Zudem sind in den Dokumenten Angaben zu Risiken des jeweiligen ETFs zu finden.

12. Langfristig Denken

Dieser Punkt ergänzt die allerste Frage und ist genauso wichtig. Der Vermögensaufbau mit ETF sollte keine kurzfristige Spekulation sein. Das heißt dann für dich, nicht ständig aufs Depot schauen. Es ist ganz normal, dass der Wert auch mal deutlich nach unten gehen kann. Dann darfst du nicht die Nerven verlieren, sondern solltest die nächsten Jahre abwarten. Das tägliche Auf und Ab an den Börsen darf dich komplett in Ruhe lassen.

Ganz entscheidend ist hierbei, dass du ein Liquiditätspolster für unerwartete Situationen auf einem Tagesgeldkonto hast. Wichtig: Bevor du in einen ETF investiert, solltest du mindestens 3 – 5 Netto-Monatsgehälter als Reserve haben.

Deine Liquidität kann für den langfristigen Vermögensaufbau mit ETF entscheidend sein. Angenommen dir geht auf dem Weg das verfügbare Geld aus und du musst dein ETF Depot zumindest teilweise auflösen, dann wäre das gerade in einer Krise der ungünstigste Zeitpunkt, um deine Aktienanteile zu verkaufen.

Falls du spezifische Branchen-ETF im Portfolio hast, macht es besonders bei einem Sparplan Sinn, zumindest 1x im Jahr die Rate zu überprüfen und ggf. einen anderen Sektor zu wählen, wenn dieser ein zu großes Gewicht im ETF Portfolio angenommen hat.

Such-Tipp: Welcher ETF passt zu mir?

Abschließend noch ein Tipp zur ETF Suche: Um aus der Vielzahl an ETF eine Auswahl zu treffen, kannst du neben den ETF-Such-Angeboten von deinem Broker auch die umfangreiche ETF-Suche von justETF nuten.

Dort wählst du zunächst links im Dropdown-Menu den gewünschten Index. Dann kannst du im nächsten Schritt nach den zuvor genannten Kriterien filtern. Zum Beispiel:

  • Indexauswahl: MSCI World
  • Sparplanfähige ETFs: Dein Broker z.B. comdirect bank
  • Alter: älter als 3 Jahre
  • Ausschüttung: thesaurierend
  • Fondsgröße: größer €500 Mio.

Die Suchergebnisse kannst du dann anhand der Gesamtkostenquote (TER) aufsteigend sortieren. Beachte, dass hier nicht die Orderkosten deines Brokers berücksichtigt sind. Bei einem monatlichen Sparplan kann es ggf. Sinn machen, einen minimal teureren ETF zu wählen, der dafür monatlich kostenlos bespart werden kann.

Wenn du über ein Finanzportal den passenden ETF für dich gefunden hast, kann es sein, dass der Name des ETFs nicht unbedingt komplett identisch ist.

Wichtig: Überprüfe, dass die ISIN und WKN mit dem von dir gewählten ETF übereinstimmen, bevor du einen ETF Sparplan einrichtest oder die Order an der Börse ausführst.

Hinweis: Die Checkliste ETF Auswahl: Welcher ETF passt zu mir? beinhaltet die für mich wichtigsten Kriterien für die ETF Auswahl und soll als informative Orientierungshilfe dienen. Wie alle Artikel hier ist dies keine Anlageberatung oder Empfehlung für einen ETF Kauf oder Verkauf.


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